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Sorge dich nicht und geniesse das Leben!

Vor zehn Jahren startete in Grossbritannien die atheistische Bus-Kampagne, welche bald in vielen Ländern Nachahmer fand. Die Kampagne war eine Antwort auf vorangegangene evangelikale Kampagnen, die in Bussen Werbung für eine Website machten, auf der Nicht-Christen vor der ewigen Verdammnis und dem Höllenfeuer gewarnt wurden. Das Anliegen der atheistischen Antwort war, den Leuten die Angst zu nehmen und ein Zeichen zu setzen, dass man mit einer atheistischen Weltsicht nicht alleine sei.

Der Schlag ins Gesicht

Ich kannte die Kampagne und deren Hintergrund nicht, als ich eines Tages auf dem Weg zur Arbeit plötzlich diesen Spruch las:

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Sorge dich nicht und geniesse das Leben!

Der Spruch erwischte mich auf dem linken Fuss. Irgendwie waren wohl gerade meine Schilde unten. Meine erste Reaktion war emotional und folgte nicht dem üblichen Verteidigungsmuster bei Angriffen auf meinen Glauben. Was mich zutiefst schockierte, war, dass ich nebst vielen Hoffnungen und einem Lebenssinn tatsächlich auch von einigen Sorgen befreit wäre, wenn es keinen Gott gäbe! Und dies nach 15 Jahren Christsein! Welch ein Skandal! Dabei sollte es doch umgekehrt sein: Gerade weil es einen Gott gibt, sollte mein Leben frei und glücklich sein! Dieser Gedanke führte mich unweigerlich zur Frage, was für ein Gottesbild ich eigentlich hatte.

Himmel und Hölle

Nun, ich denke meine Gottesvorstellung entsprach einem weitverbreiteten christlichen Bild. Um die Geschichte mal kurz zusammenzufassen:

  1. Wir alle leben auf dieser Erde unsere kurze Zeit. Die Sünde trennt uns von Gott.
  2. Gott hat in seiner Liebe seinen Sohn Jesus Christus geschickt, der für unsere Sünden am Kreuz starb.
  3. Dann kommt der Tod und das Gericht für alle.
  4. Falls wir während unseres Lebens das Angebot von Jesus Christus angenommen und uns zu ihm bekehrt haben, können unsere Sünden vergeben werden und wir werden die Ewigkeit bei Gott im Himmel verbringen.
  5. Ansonsten landen wir in der Hölle wo ein ewiges brennendes Feuer uns für unsere Sünden bestraft.

Aber ich bin doch bekehrt…

Warum sollte ich mir also Sorgen machen? Ich war doch “bekehrt” und auf der sicheren Seite? Die erste Frage, die sich mir aufdrängte, war die nach der Motivation für meine Bekehrung. Hatte ich mich womöglich nur bekehrt um auf Nummer sicher zu gehen? Also eigentlich aus Angst vor Gott und seinem Zorn? Wie viele Christen wären heute auch Christen, wenn sie wüssten, dass Gott am Ende allen verzeiht und nach diesem Leben eine bessere Zeit für alle anbräche? Und wie viele Christen fänden das irgendwie ungerecht, da sie ja schliesslich viel in “ihren Himmel” investiert haben und die anderen nicht?

Eine weitere Schwierigkeit mit Bekehrungen ist, dass man sich nie ganz sicher sein kann, ob man denn noch auf dem richtigen Weg ist oder nicht. Die Sache hat ja durchaus Gewicht und es lohnt sich genau hinzuschauen. Es wäre äusserst schade, die Ewigkeit um Haaresbreite zu verpassen nur weil man etwas zu sorglos an die Sache herangegangen war, nicht? Es gibt viele Bibelstellen, die einem im Nacken sitzen und zur Vorsicht mahnen, z.B.:

Was nützt es, meine Geschwister, wenn jemand behauptet: »Ich glaube«, aber er hat keine ´entsprechenden` Taten vorzuweisen? Kann der Glaube ´als solcher` ihn retten?

Jakobus 2,14

Doch das enge Tor und der schmale Weg führen ins Leben, und nur wenige finden diesen Weg.

Matthäus 7,14

Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr, Herr!‹, wird ins Himmelreich kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut. 

Matthäus 7,21

Also auch für den “bekehrten” Christen lauern ständig Gefahren, vom rechten Weg abzukommen, zu lau zu werden, sich in falscher Sicherheit zu wiegen.

Angst vor Gott

Langsam wurde mir klar, warum ich so auf den atheistischen Spruch reagiert hatte. Obwohl ich mich Christ nannte, lag meinem Glauben eine Angst vor Gott zugrunde. Mein Gottesbild war das eines Gottes, der zu “allem fähig” ist, wenn man sich nicht gut stellt mit ihm. Und selbst dann muss man ständig aufpassen, nicht aus der Bahn zu geraten. Mir war klar, dass das nicht der christliche Gott ist und ich einiges an Weg vor mir hatte, mein Gottesbild zu revidieren.

Hier geht die Geschichte weiter…

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