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Wir haben alle den Jackpot gewonnen!

Innerhalb von ca. 4 Milliarden Jahren soll auf unserem Planeten das biologische Leben mittels zufälliger Mutationen und natürlicher Selektion entstanden sein. Ein häufiges Argument gegen die Evolutionstheorie ist die schiere Unwahrscheinlichkeit dieses Vorgangs. Noch viel unwahrscheinlicher ist allerdings, dass die Bühne, auf der die Evolution ihr Schauspiel aufführt, überhaupt erst entstanden ist.

Das Multiversum

There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable.

There is another theory which states that this has already happened.

Douglas Adams, The Restaurant at the End of the Universe

Wer das Universum eingehend betrachtet, dem wird klar: Das kann nicht sein! Das Universum dürfte gar nicht existieren. Das ist zu gut um wahr zu sein. Das sehen auch viele Astrophysiker so und versuchen Erklärungen für die unglaubliche Feinabstimmung des Universums zu finden. Diverse Eigenschaften des Universums und der Naturgesetze sind innerhalb eines sehr engen Rahmens geradezu optimal darauf ausgelegt, eine stabile, strukturierte Welt hervorzubringen. Innerhalb dieser Welt ist unser Sonnensystem und die Position der Erde wiederum perfekt für die Entwicklung von Leben geeignet. Alles reiner Zufall? An dieser Stelle verneigen sich spirituelle Menschen vor dem grossen intelligenten Designer.

In einem atheistischen Weltbild braucht es andere Erklärungen, wie z.B. das sogenannte Multiversum. Die Viele-Welten-Interpretation der Quantentheorie postuliert eine grosse Zahl an Paralleluniversen, in denen auch Varianten von uns existieren. Zu gerne würde ich mal mein alternatives Ich treffen, welches sich vor 20 Jahren für eine Karriere als Investment-Banker entschieden hat. Das gäbe bestimmt ein interessantes Gespräch…?

If I get a parking ticket, there is always a parallel universe where I didn’t. On the other hand, there is yet another universe where my car was stolen.

Max Tegmark

Das Multiversum ist die Gesamtheit aller parallel koexistierenden Universen. Diese Universen können sich in grundlegenden Eigenschaften voneinander unterscheiden und damit auch unterschiedlich “feinabgestimmt” sein. Gemäss Stringtheoretikern soll es bis zu 10500 solcher Universen geben! Stringtheorien sind hypothetische physikalische Modelle, welche eine einheitliche Theorie für die Entstehung aller Teilchen und Kräfte ermöglichen sollen. Sogenannte Fäden (die “Strings”) spielen dabei eine zentrale Rolle. Strings sind mehrdimensionale ultrakleine Objekte. Deren Vibrationen sollen Kräfte und Teilchen, wie z.B. die Quarks, entstehen lassen. Je nach Theorie bewegen sich diese Strings in bis zu 26 Dimensionen. Zusätzlich zu den 3 Raum- und der einen Zeitdimension, die wir aus unserem Alltag kennen, gibt es also 22 Extradimensionen. Einige Strukturen dieser Extradimensionen führen zu inkonsistenten Modellen. Es gibt aber immer noch sehr viele mögliche Strukturen, was zur ominösen Zahl 10500 führt: Es ist im Prinzip die geschätzte Zahl der möglichen unterschiedlichen Parametrisierungen eines Stringmodells. Sollte sich eine Stringtheorie irgendwann bestätigen, werden wir in unserem Universum eine solche Parametrisierung bestimmen können. Diese Parametrisierung wäre dann wiederum eine Feinabstimmung, die zu unserem gewohnten Universum geführt hat. Die grosse Frage, die sich Physiker stellen: Warum sollten die anderen legalen Fälle nicht auch irgendwo existieren?

Entsprechend dem anthropischen Prinzip wird nun argumentiert: Wir sind nur deshalb so erstaunt über unser Universum, weil wir zufälligerweise in einem Universum leben, in welchem sich bewusstes Leben entwickeln konnte. In den meisten anderen Universen ist kein Bewusstsein möglich. Die Rahmenbedingungen sind dort eben nicht passend für sowas wie eine Evolution. Dort fragt sich auch niemand, wie das denn möglich sei. In wieder anderen Universen basiert das Leben vielleicht nicht auf Kohlenstoff, ist völlig anders geartet und nicht an philosophischen Fragen interessiert.

Tatsächlich gibt es viele Universen mit vielen verschiedenen Versionen physikalischer Gesetze.

Stephen Hawking, “Der grosse Entwurf”

Unser Universum ist also – etwas salopp gesagt – gar nichts Spezielles. Es ist eben eines dieser 10500 Universen. Bei so vielen Konfigurationen sei statistisch zu erwarten, dass irgendwo Bewusstsein entstehe. Diese armen denkenden Wesen (wir) wissen natürlich nichts von all den anderen “erfolglosen” Versuchen und beginnen verständlicherweise zu grübeln, was das Ganze soll. Who cares?

Wer das Universum betrachtet dem wird klar: Das kann nicht sein! Die einen verneigen sich vor dem intelligenten Designer. Die anderen postulieren 10500 weitere Universen.

Etwas Zahlenakrobatik

Da steht nun also diese unfassbare Zahl 10500 im Raum. Das ist eine Eins mit 500 Nullen hintendran! Wir können uns nicht annähernd vorstellen wie absurd riesig das ist. Und wohlgemerkt, wir zählen hier nicht Reiskörner, sondern Universen!

Wenn wir versuchen eine Sechs mit einem Würfel zu würfeln, dann gelingt das mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/6, weil der Würfel 6 Seiten hat. Versuchen wir zweimal hintereinander eine Sechs zu würfeln, muss man diese Wahrscheinlichkeit quadrieren, weil unabhängige Wahrscheinlichkeiten multipliziert gehören. Wir erhalten also für zwei Sechsen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 1/36 und fünf Sechsen werden nur noch in einem von 6*6*6*6*6 = 65 = 7776 Versuchen gelingen.

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen? Bei Euromillions werden 5 Zahlen aus 50 und 2 Sterne aus 12 möglichen gewählt. Die Chance für einen Volltreffer liegen nur bei 1:139′ 838’160. Es gibt also ca. 1.4*108 verschiedene Tippmöglichkeiten. Die Chancen, dreimal hintereinander bei Euromillions den Jackpot zu knacken liegen bei ca. 1:2.7*1024. Auch wenn wir regelmässig spielen, lohnt es sich nicht, darauf einen Lebensplan aufzubauen. Dennoch fehlen uns noch ziemlich viele Nullen zur möglichen Zahl der Universen.

Wie viele Sandkörner gibt es auf der Erde? Wenn wir uns die Erde mit einer 10m dicken Sandschicht umgeben vorstellen, wären darin ca. 1028 (10 Oktillionen) Sandkörner enthalten. An gewissen Stellen ist die Schicht natürlich tiefer, wie z.B. unter einer Düne in der Sahara. An anderen Stellen gibt es wiederum keinen Sand. Wir sind hier aber nicht an einer möglichst exakten Schätzung, sondern vielmehr an der Grössenordnung interessiert. Jetzt stellen wir uns ein neues Spiel vor: Sandkörner-Lotto! Das funktioniert so: Jeder Spieler wählt ein einzelnes Sandkorn auf dem Planeten Erde aus. Er kann dafür zwei Wochen durch die Wüste wandern oder zum Marianengraben runtertauchen und so tief buddeln wie er möchte. Er muss einfach ein Sandkorn markieren. Bei der Ziehung wird nun rein zufällig ein irdisches Sandkorn gezogen. Hat ein Spieler dasselbe Sandkorn markiert, so hat er gewonnen. Die Gewinnchancen beim irdischen Sandkörner-Lotto liegen also bei 1:1028. Das ist nicht sehr hoch. Es ist 3’700 mal wahrscheinlicher, dreimal hintereinander Euromillions zu gewinnen.

Unsere Sonne ist ein Stern. Davon gibt es 100 Milliarden (1011) in unserer Galaxie, der Milchstrasse. Nach neusten Schätzungen existieren im beobachtbaren Universum mehr als eine Billion (1012) Galaxien! Wenn wir annehmen, dass wir in einer durchschnittlichen Galaxie leben, dann gibt es im Universum ungefähr 1023 Sterne. Das sind zweimal soviel wie alle Körner in der 10m-Sandschicht über ganz Luxemburg! Luxemburg ist kein riesiges Land, aber hat doch immerhin 2586 km2. Wir stellen uns nun ein intergalaktisches Sandkörner-Lotto vor, bei dem in jedem Sonnensystem des Universums gleich viele Sandkörner versteckt werden wie auf der Erde. (Organisatorische Fragen, z.B. wie man zu einem Sonnensystem in 13 Mia. Lichtjahren Entfernung reisen soll, um dort ein Sandkorn zu suchen, oder wo juristische Streitigkeiten bezüglich der Ziehung beigelegt werden, lassen wir jetzt mal ausser Acht.) Die Gewinnchancen im intergalaktischen Sandkörner-Lotto schmelzen auf 1:1051 zusammen, was für alle praktischen Belange nicht von “Null” zu unterscheiden ist.

Die grössten Glückspilze sind allerdings wir. Wir haben es irgendwie geschafft, in unserem Universum zu landen. Das entspricht in etwa dem 10-maligen aufeinanderfolgenden Gewinn des Jackpots beim intergalaktischen Sandkörner-Lotto! Es gibt natürlich auch in unserem Universum viele unwirtliche Gegenden. Doch wir sind als Bewohner des gemütlichen Planeten Erde die Gewinner der Gewinner! Herzliche Gratulation!!!

Wir sind alle Gewinner!

Wie bei der Entstehung des Lebens so kann auch bei der Frage nach der Feinabstimmung des Universums die ursächliche Absicht eines Designers durch ein zufälliges Ausprobieren aller Möglichkeiten ersetzt werden. Nur die “fitten” Varianten überleben, nur in “bewussten” Universen macht man sich überhaupt Gedanken. Welches Weltbild uns persönlich mehr anspricht, müssen wir selbst herausfinden. Zu behaupten, die Existenz unseres Universums sei logisch und wissenschaftlich zwingend erklärbar, ist allerdings alles andere als seriös.

Dennoch sind wir alle Gewinner! Da wären einmal diejenigen, die beim Betrachten des Universums spirituell angesprochen werden und sich ernsthaft auf die Suche machen. Sie dürfen hoffen, auf ihrer Suche eine liebevolle Beziehung zum genialen Designer des Alls zu entdecken. In dieser Beziehung liegt der Sinn ihres Daseins begründet.

Die anderen haben bereits dadurch gewonnen, dass sie in einem der wenigen Universen leben, welches sein Potenzial zu Bewusstsein erfolgreich entfaltet hat. Sie wurden auserwählt, sich der absoluten Unglaublichkeit des Alls bewusst zu werden! Nur leider gehören Sinn, Empathie und Liebe nicht zum Jackpot des Zufalls dazu.

´Mit allem, was er tat,` wollte er die Menschen dazu bringen, nach ihm zu fragen; er wollte, dass sie – wenn irgend möglich – in Kontakt mit ihm kommen und ihn finden.

Apostelgeschichte 17,27

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