Überraschungen im Namen Gottes

Überraschungen im Namen Gottes

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Mose aber antwortete Gott: Siehe, wenn ich zu den Söhnen Israel komme und ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen: Was ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen? Da sprach Gott zu Mose: “Ich bin, der ich bin.” (YHWH) Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der “Ich bin” hat mich zu euch gesandt.

2. Mose 3, 13-14

Die Bedeutung

Viele Übersetzungen übersetzen den hebräischen Namen Gottes, YHWH (Jahweh), analog zu Luther mit “Ich bin, der ich bin.” Wie Siegfried Zimmer in Worthaus 2.5.1 erklärt (ca. nach einer Stunde), hat man nun herausgefunden, dass das zugrundeliegende hebräische Verb für “sein” ein sogenanntes enklitisches Verb ist. Das bedeutet, dass das Verb nicht für sich alleine stehen kann, sondern einen Bezug braucht. Als Beispiel: Wir können nicht einfach sagen “Ich umarme” oder “Ich verurteile”. Es braucht für einen vollständigen Satz immer noch eine Angabe darüber “wen” das betrifft oder “was” damit gemeint ist. Wenn wir also sagen “ich umarme dich”, dann ist das abgeschlossen. Die Bedeutung des Namen Gottes ist somit ein “sein” auf uns hin bezogen und kann am besten so übersetzt werden:

  • Ich bin für dich/euch da.
  • Ich werde für dich/euch da sein.

Gott, der Schöpfer und Herrscher über das gesamte Universum gibt sich nicht einen majestätischen, abgehobenen, überirdischen Namen um sich gegen alle anderen Götter abzusetzen. Nein, er wählt einen Namen, der seine Zuwendung zu uns in den Mittelpunkt stellt. Ist es nicht überwältigend, so einen Gott zu kennen? Dass der Name die Zukunft miteinschliesst, ist zudem eine Verheissung über unseren Tod hinaus. Was würde “Ich werde für dich da sein” bedeuten, wenn wir tot und vergangen sind? Gottes Name lässt sich nicht durch den Tod begrenzen.

Der Klang

In einem Kapitel seines Buchs “Pure Präsenz” behandelt Richard Rohr die Aussprache von Gottes Namen. Dem Thema hat er sogar eine eigene Internetseite gewidmet. Der Name Gottes war den Juden so heilig, dass sie stattdessen Adonai oder Elohim sagten. Es gibt jüdische Gelehrte, die glauben, dass der Name gar nicht zum Aussprechen gedacht war. Die Konsonanten YHWH werden nicht mit Lippen und Zunge, sondern lediglich mit dem Atem geformt. Die beste “Aussprache” von YHWH ist demnach ein einfaches Ein- und Ausatmen: YH (einatmen) – WH (ausatmen).

For me, YHWH as Breath of Life is not just a neat understanding of the four-letter Name, but a profound metaphor and theology of God. God as the Breath of Life, in-and-out-breath, that which unites all life, that which is beyond us and within us.

Rabbi Arthur Waskow

Gottes ununterbrochene Zusage

Nimmt man die Bedeutung und den Klang von YHWH zusammen, so entsteht eine wunderbare Liebeserklärung Gottes. Auf hebräisch bedeutet das Wort “Ruach” sowohl Atem wie auch Wind oder Geist. In der Schöpfungsgeschichte haucht Gott dem Menschen den “Atem des Lebens” (Ruach) ein und macht ihn damit zu einer “lebenden Seele” (1. Mose 2, 7). Gott hat uns aber nicht nur zum Leben erweckt, er lebt selbst in uns (z.B. 1. Korinther 6, 19). So ist es gleichsam Gott selbst, der in uns durch seinen Geist in jedem Moment neues Leben und Atem schenkt. Durch unseren Atem spricht er uns ununterbrochen seine Liebe zu (“Ich bin für dich da”). Dieser Zuspruch ist leise, zart und sogar akustisch hörbar – vorausgesetzt wir werden ruhig.

Unser erstes Wort als Neugeborene ist der Name Gottes. Jeder Seufzer aus Verzweiflung ist eine Anrufung Gottes. Jeder Freundenschrei atmet Gott. Liegen wir krank im Bett, auch dann zeugt unser Atem von Gottes Nähe. Kaum haben wir ihn zum letzten Mal gesprochen, sind wir tot. So wie grosse Maler stolz ihre Meisterwerke signieren, webt Gott seinen Geschöpfen im Atem seinen herrlichen Namen ein.

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